Polizeiliche Kriminalstatistik der Polizeidirektion Göppingen 2009:
- · Mehr Straftaten (plus 2.474 Fälle) als im Vorjahr sind in die Statistik eingeflossen
- · Großverfahren wegen Warenbetruges schlägt allein mit 1.640 Taten zu Buche
- · Auch dadurch hohe Aufklärungsquote von 69,2 Prozent
- · Rückgang beim Ladendiebstahl und besonders schweren Fall des Diebstahls
- · Starker Anstieg der Zahlen von Vermögens- und Fälschungsdelikten
Zahl der tatverdächtigen Kinder und Jugendlichen gefallen, mehr heranwachsende Tatverdächtige
Wie stark Großverfahren in einzelnen Deliktsbereichen die Polizeiliche Kriminalstatistik beeinflussen, zeigt die Bilanz des vergangenen Jahres: In Geislingen ist nun ein seit 2003 betriebenes Ermittlungsverfahren wegen Warenbetruges in die Kriminalstatistik 2009 eingeflossen. Einem Geschäftsmann wird vorgeworfen, in 1.640 Fällen Plagiate von Markenprodukten über Internet-Auktionsplattformen verkauft zu haben.
Mit über 80 Einzeldelikten schlägt darüber hinaus eine Serie von aufgeklärten Diebstählen von Radkappen an Kraftfahrzeugen zu Buche.
Während sich solche Erfolge erfreulich auf die Aufklärungsquote auswirken (69,2 Prozent), resultiert daraus auch ein vermeintlicher Anstieg der Gesamtstraftaten innerhalb des Berichtszeitraums 2009 auf insgesamt 12.420 (2008=9.945) Straftaten)
In Prozenten ausgedrückt ist dies ein Anstieg von 24.9 Prozent oder 2.475 Fälle. 8.596 Taten konnten aufgeklärt werden, was zu dieser bemerkenswerten Aufklärungsquote von 69,2 Prozent geführt hat.
Insgesamt wurden von der Polizei 4.637 Tatverdächtige ermittelt.
Die Zahl der aufgeklärten Fälle und die daraus resultierende Aufklärungsquote liegen damit wie in den vergangenen Jahren über dem Landesdurchschnitt von 59,4 Prozent.
Hans Baldauf, der Leiter der Polizeidirektion Göppingen, bilanziert die Kriminalitätsentwicklung im vergangenen Jahr optimistisch. „Die Kriminalitätsbelastung lag mit 4.874 Straftaten pro 100.000 Einwohner im Kreis Göppingen unter dem Landesschnitt von 5.387,“ so der Polizeidirektor und ergänzt, „dass diese so genannte Häufigkeitszahl auch zeigt, dass die Gefahr im Kreis Göppingen Opfer einer Straftat zu werden geringer ist, als im Landesdurchschnitt.“
Gesamtüberblick über die Entwicklungen in einzelnen Deliktsbereichen:
Betrachtet man den Anteil der Deliktsgruppen an der Gesamtkriminalität, so haben die Vermögens- und Fälschungsdelikte mit rund 33,7 Prozent gegenüber 2008 den einfachen und schweren Diebstahl auf „Rang eins“ abgelöst. Diebstahlsdelikte nehmen mit rund 28,3 Prozent (2008=37,5 Prozent) nunmehr den zweitgrößten Raum beim Kriminalitätsgeschehen ein, gefolgt von den Rohheitsdelikten und den Straftaten gegen die persönliche Freiheit mit insgesamt 11 Prozent.
Die stärksten Anstiege sind damit in den Bereichen der Vermögens- und Fälschungsdelikte und der Straftaten gegen das Leben zu verzeichnen. Sicher spielt dabei auch der Eislinger Vierfachmord eine traurige Rolle, der ebenfalls in die Statistik 2009 eingeflossen ist.
Noch einmal dramatisch gestiegen sind auch die Fallzahlen der so genannten Internetkriminalität. Sie sind - auch unter den beschriebenen Vorzeichen „Warenkreditbetrug über das Internet“ - auf nun 2.369 Delikte (Vorjahr 485 Taten) angestiegen. Unter diesen Deliktsbereich fallen beispielsweise auch Straftaten rund um die Kinderpornografie und Verstöße gegen das Urheberrecht (Stichwort: illegaler Download von Film- und Musikdateien).
Die stärksten Rückgänge sind bei den Ladendiebstählen (minus 12.4 Prozent) und beim Diebstahl unter erschwerten Umständen (minus 9,2 Prozent), zu verzeichnen.
Tatverdächtige
(in Klammern jeweils die Zahlen des Jahres 2008)
Zu den 8.596 (5.972) aufgeklärten Straftaten konnten 4.637 (4.508) Tatverdächtige ermittelt werden. Sie gliedern sich in folgende Altersgruppen:
3.300 Erwachsene (3.152) was einem Plus von 4,7 Prozent entspricht
460 Heranwachsende (417), entspricht einem Plus 10,4 Prozent
603 Jugendliche (647), entspricht einem Minus von 6,8 Prozent
274 Kinder (292), entspricht einem Minus von 6,2 Prozent
In diesen Zahlen sind 1.264 (1.184) nichtdeutsche Tatverdächtige enthalten. Dies entspricht einem Anteil von 27,3 Prozent (2008 = 26,3%).
Herausragende Fälle:
In der Nacht zum Karfreitag 2009 kam es zu einem vierfachen Tötungsdelikt an einer Familie in Eislingen. Als Tatverdächtige wurden der damals 18-jährige Sohn der Familie und sein ein Jahr älterer Freund festgenommen. Der Prozess gegen die beiden ist seit Herbst 2008 vor dem Landgericht Ulm anhängig und dauert an. Der Fall wird als so genannter „Eislinger Vierfachmord“ nach wie vor stark öffentlich reflektiert.
Nur zwei Wochen später hat im April ein Mann seine brasilianische Partnerin in Göppingen durch Würgen und mit Messerstichen getötet. Er konnte noch am selben Wochenende festgenommen werden und ist inzwischen zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden.
In den Bereichen Voralb und Oberes Filstal wurden seit Mitte des Jahres 2009 eine große Anzahl von Radkappen an Kraftfahrzeugen gestohlen. Nach gezielten Beobachtungen wurde ein Tatverdächtiger aus dem Tübinger Raum auf frischer Tat festgenommen. Ihm werden rund 80 Fälle zur Last gelegt. Das Diebesgut hat er über das Internet verkauft.
Seit 2003 hat ein türkischer Staatsangehöriger aus Geislingen Plagiate von Marken wie Dolce und Gabana, Nike, Tommy Hilfiger und andere über das Internet verkauft. Das Verfahren gegen ihn ist nun bei der Staatsanwaltschaft anhängig und in die Statistik 2009 eingeflossen.
Straftaten gegen das Leben
Unter diesen Deliktsbereich fallen Straftaten wie Mord, Totschlag oder fahrlässige Tötung. Statistisch erfasst wurden im Jahr 2009 insgesamt zwölf solcher Straftaten. Alle diese Taten sind aufgeklärt worden.
Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
Gegenüber dem Vorjahr ist die Anzahl der bekannt gewordenen Sexualstraftaten um 19 Fälle auf 113 gestiegen. Ein Erklärungsansatz für diese Schwankungen ist durchaus auch im Anzeigeverhalten des betroffenen Personenkreises zu suchen. Vermehrt Anzeigen gingen meist ein, wenn diese sensible Thematik öffentlich diskutiert wurde. Leider hat das Hinweisaufkommen regelmäßig dann wieder abgenommen, wenn diese Diskussionen abgeebbt sind.
Der in diesem Zusammenhang wohl am heftigsten reflektierte Deliktsbereich ist der sexuelle Missbrauch von Kindern. Die Zahl dieser Straftaten ist im Jahr 2009 leider wieder etwas angestiegen. Es mussten 26 (2008: 21) Fälle bearbeitet werden.
Unter den 113 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung waren unter anderem 42 (2008: 36) Fälle des sexuellen Missbrauchs. Wie bereits genannt, wurden bei 26 Taten Kinder sexuell missbraucht.
12 mal wurde wegen des Verdachts der Vergewaltigung oder sexueller Nötigung ermittelt.
52 Anzeigen mussten gegen Tatverdächtige wegen illegalen Besitzes beziehungsweise Verbreitens pornografischer Schriften gefertigt werden. In 43 Fällen handelte es sich den Besitz von Kinderpornografie.
Aufgeklärt wurden 84 Prozent aller Fälle in diesem Deliktsbereich.
Gewaltkriminalität und Rohheitsdelikte
Im Summenschlüssel der „Gewaltkriminalität“ sind beispielsweise Tötungsdelikte, Vergewaltigung, Raub, räuberische Erpressung, räuberischer Angriff auf Kraftfahrer sowie gefährliche und schwere Körperverletzungsdelikte enthalten. Die Zahlen im Landkreis Göppingen sind entgegen des Landestrends mit 349 Fällen (2008: 332) leicht angestiegen. Nach einem kontinuierlichen Rückgang seit dem Jahr 2006 ist damit erstmals wieder ein leichter Anstieg zu beobachten.
Wegen Delikten der Gewaltkriminalität sind im Jahr 2009 insgesamt 404 Tatverdächtige angezeigt worden. Darunter waren 203 Erwachsene, 90 Heranwachsende (Vergleich zu 2008: plus 21), 90 Jugendliche (minus 24), und 21 Kinder (plus 4).
Die Anzahl der so genannten “Rohheitsdelikte“ ist im Kreis Göppingen entgegen des Landestrends von 1.257 Fällen auf 1.329 Fälle gestiegen. Hierunter sind allein 955 (2008: 889) „einfache” Körperverletzungen enthalten. Nachdem in diesem Deliktsbereich im Vergleich 2007/ 2008 ein leichter Rückgang der Fallzahlen festzustellen war, ist der Trend nun wieder leicht ansteigend.
Diebstahlskriminalität
Die Gesamtzahl dieser Straftaten ist von 3.730 im Jahr 2008 auf nunmehr 3.510 also um 220 Fälle, gesunken. Die Aufklärungsquote beträgt 39,1 Prozent.
Die Zahl der Diebstähle ohne erschwerende Umstände ist im Vergleich zu 2008 mit 2.321 um 99 Fälle gefallen.
Zu dieser Deliktsgruppe gehört beispielsweise der Ladendiebstahl, wo ein Rückgang um 12,1 Prozent auf 789 Fälle registriert wurde. Die hohe Aufklärungsquote von über 93 Prozent rührt sicher auch daher, dass Ladendiebstähle meist nur dann angezeigt werden, wenn der Täter bekannt ist.
Beim schweren Diebstahl (z.B. aus Wohnungen oder Kraftfahrzeugen) ist ein Rückgang um 121 Fälle (minus 9,2 Prozent) auf 1.189 Straftaten mit einer Aufklärungsquote von 24,1 Prozent festzustellen. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist mit 95 Fällen leicht rückläufig (2008=103 Wohnungseinbrüche). Der gefühlte Anstieg der so genannten Tageswohnungseinbrüche, zu deren Bekämpfung die Ermittlungsgruppe „Dämmerung“ eingerichtet worden ist, schlägt sich statistisch hauptsächlich im Jahr 2010 nieder.
In weiteren 32 Fällen blieb es beim Versuch. Das heißt, dem Täter gelang es nicht, ins Objekt einzudringen.
Eine Detailübersicht einzelner Erscheinungsformen der Diebstahlkriminalität:
Wohnungseinbruchsdiebstahl:
- 95 Fälle (2008 = 104 Fälle)
- davon geklärt: 15,8 Prozent
- Schaden: etwa 578.000 Euro
Schwerer Diebstahl von Kraftfahrzeugen:
- 13 Fälle (2008= 9 Fälle)
- davon aufgeklärt: 7,7 Prozent
- Schaden: etwa 277.500 Euro
Schwerer Diebstahl aus Kraftfahrzeugen (Autoaufbrüche):
- 155 Fälle (2008 =209 Fälle)
- davon aufgeklärt: 9 Prozent
- Schaden: etwa 182.000 Euro
Vermögens- und Fälschungsdelikte
Wie bereits erwähnt, sind in diesen Deliktsfeldern die stärksten Anstiege um 2.287 Fälle auf nun 4.184 Straftaten zu verzeichnen. Allein 1.640 Straftaten resultieren dabei aus dem Geislinger Großverfahren wegen Warenbetruges.
Aufgeklärt werden konnten 93,3 Prozent der Vermögens- und Fälschungsdelikte.
Allein der durch Betrugsdelikte, Veruntreuungen und Unterschlagungen geschätzte finanzielle Gesamtschaden beträgt rund 11 Millionen Euro.
Rauschgiftdelikte
Die Anzahl der ausgewiesenen Rauschgiftdelikte im Jahr 2009 für den Landkreis Göppingen beträgt 651 Fälle (2008= 408 Fälle). Dies entspricht einem Anstieg um 243 Fälle.
Die Ursachen für die wechselnden Entwicklungen bei Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz sind vielschichtig. Bekanntlich werden gerade in diesem Deliktsbereich in den seltensten Fällen bei der Polizei Anzeigen erstattet.
Eine so genannte „offene Rauschgiftszene“ gibt es aufgrund der umfangreichen polizeilichen Maßnahmen in den Innenstädten seit Ende der neunziger Jahre nicht mehr. Die Szene hat sich hingegen vermehrt zurückgezogen und nach außen hin abgeschottet, was die Ermittlungen verständlicherweise immer aufwändiger macht.
Polizeichef Hans Baldauf führt zu diesem Deliktsbereich aus, „dass nicht zuletzt auch zur Erhellung dieser Strukturen im Drogenbereich die Polizeidirektion Göppingen seit mehreren Jahren sehr erfolgreiche Rauschgiftermittler bei der Schutzpolizei installiert hat.“ Ziel der Beamten sei es, in die Lücke zwischen den Konsumenten und den Großdealern zu stoßen und damit den Drogen-Kleinhandel effektiver zu bekämpfen, so der Polizeidirektor.
129 Delikte wegen illegalen Handels, Schmuggels oder Einfuhr von Rauschgift wurden im Jahr 2009 aktenkundig. In 228 Fällen wurden Personen wegen „allgemeiner Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz“ angezeigt. Darunter fällt hauptsächlich der Erwerb und Besitz von illegalen Drogen.
Ein Mensch ist im Jahr 2009 an den Folgen seiner Drogensucht gestorben.
Präventionsprojekte
Die Polizei im Kreis Göppingen unterhält eine ganze Reihe von Präventionsprojekten, die sie mit vielen privaten und kommunalen Partnern betreibt.
Nach einem vom Dienststellenleiter Hans Baldauf initiierten Workshop ist die Prävention bei der Polizeidirektion Göppingen im vergangenen Jahr neu geordnet worden.
„Einen regelrechten Boom hat unser Angebot „Kids Online“ ausgelöst, mit dem wir seit Spätsommer vergangenen Jahres unterwegs sind,“ sagt Polizeichef Hans Baldauf. Ein eigens hierfür von anderen Aufgaben weitgehend entbundener Beamter vermittelt Kindern und Jugendlichen Internetkompetenz und berichtet auch bei Elternabenden über die Gefahren rund um das „world-wide-web“.
Weiter fortgeführt werden auch Projekte unter dem Oberbegriff „Jugendschutz/ Gewaltprävention“. Darunter fallen die bewährten Angebote „Kinder setzen Grenzen“ (Klassen 3 und 4) und „Herausforderung Gewalt“ (ab Klasse 6).
Beispielhaft sei auch die Aktion „Ohne Gewalt - bei uns in Süßen“ genannt, die nun schon seit acht Jahren läuft.
„Die vorliegende Kriminalstatistik zeigt uns auch, dass wir gerade im Bereich der Gewaltprävention nicht locker lassen dürfen,“ resümiert Hans Baldauf, der Leiter der Polizeidirektion Göppingen.
Neu ist auch die enge Verzahnung von Verkehrs- und Kriminalprävention. Baldauf unterstreicht, „dass dies für die Praxis auch bedeutet, dass unsere Präventionsreferenten künftig themenübergreifend unterwegs sein werden.“
Die Beratungsstelle der Polizeidirektion Göppingen (Tel. 07161/ 63-2205) führt alljährlich hunderte kostenloser Beratungsgespräche und gibt Tipps zum Schutz vor der Alltagskriminalität. Weitere Informationen zum umfangreichen Polizeilichen Präventionsprogramm gibt es im Internet unter www.polizei-goeppingen.de und www.polizei-beratung.de.